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KREUZSCHMERZEN
chronische Schmerzen / chronischer
Schmerz der Kreuzregion
(Chronische) Kreuzschmerzen
können vielfältig verursacht sein. Häufig ist die genaue Abfrage der Symptome
(= Krankheitszeichen) bereits diagnostisch richtungsweisend:
-
Werden
Rückenschmerzen bei Beanspruchung der
Wirbelsäule verstärkt oder ausgelöst, so sind die Bewegungssegmente beteiligt.
-
Chronische (= länger als drei Monate anhaltende)
Kreuzschmerzen, die von der
Wirbelsäule
nfunktion unabhängig sind, sprechen mehr
für Störungen im Bereich der Wirbelkörper.
-
Chronische
Kreuzschmerzen, die von
Muskeln und
deren Bindegewebsumhüllung ausgehen (sog. muskuloskelettaler oder myofaszialer
Ursprung), werden durch Wirbelsäulenbelastungen und -bewegungen ebenfalls
verstärkt, unterliegen aber häufig klimatischen Einflüssen, d.h., sie treten in
der kälteren Jahreszeit bevorzugt auf. Oft berichten die Patienten, sie hätten
sich "verkühlt".
-
Akut auftretende
Wirbelsäulenschmerzen
sind häufig bandscheibenbedingt, können aber auch durch eine akute
Segmentblockierung (hpts. kleine Wirbelgelenke) ausgelöst werden.
-
Akute Schmerzen in der Kreuzregion, die mit einer
monoradikulären Symptomatik
(= Krankheitszeichen 1 Nervenwurzel betreffend)
einhergehen, sind sichere Anzeichen eines
Bandscheibenvorfall
s, gleiches gilt
für akute Schmerzen im Zusammenhang mit einem Cauda-Syndrom
(= Rückenmarkschädigung mit Lähmung der
Beine).
-
Chronische
Rückenschmerzen, die beim Husten und Pressen deutlich stärker
werden, sind typisch für
Nervenwurzelkompressionen, z.B. infolge einer
Bandscheibenprotrusion oder gar eines
Bandscheibenprolaps
(=
Bandscheibenvorwölbung oder gar -vorfall).
-
Chronische Rüc
kenschmerzen, die bei Erschütterung verstärkt auftreten, können von einer
Spondylitis
(= Entzündung an der
Wirbelsäule) verursacht werden.
-
Chronische
Rückenschmerzen, die bevorzugt nachts und morgens auftreten, weisen auf eine
generalisierte (= allgemeine)
Wirbelsäulenerkrankung hin, z.B. Morbus
Bechterew oder
Osteoporose.
Die Wirbelsäule als statisches Achsenorgan ist in
dieser Funktion großen Belastungen ausgesetzt, entsprechend häufig treten
Verschleißerscheinungen auf, die über die physiologische Degeneration
(= normale Abnützung)
hinausgehen und deshalb oft chronische
Wirbelsäulenschmerzen verursachen.
Es ist jedoch stets zu
bedenken, daß auch höhergradige Verschleißprozesse nicht unbedingt mit mit einem
Schmerz der Kreuzregion einhergehen müssen, auch gibt es keine statistische Korrelation zwischen dem
Ausmaß der abnutzungsbedingten Veränderungen und der geklagten
Schmerzintensität. Das Vorhandensein abnutzungsbedingter Veränderungen, die
theoretisch die geklagten
Rückenschmerzen verursachen können, darf deshalb nicht
dazu verleiten, eine weitergehende Diagnostik
(= Maßnahmen zur Erkennung eines
Krankheitsgeschehens) zu unterlassen.
Von allen Abschnitten der Wirbelsäule ist die
Lendenwirbelsäule
den größten statisch-dynamischen Belastungen ausgesetzt.
Als Schmerzursache stehen deshalb hier übermäßige
degenerative (=
abnutzungsbedingte) Veränderungen
im Vordergrund, wobei der Bandscheibe eine Schlüsselrolle zufällt. Der
Wassergehalt des Gallertkernes der Bandscheibe nimmt im Laufe der Zeit ab und
damit die Elastizität, wodurch die Beweglichkeit beeinträchtigt wird. Der
Faserring verliert allmählich seine Haltefunktion, wird rissig und teilweise für
die Gallertmasse durchlässig. Bereits in dieser Phase sind
Bandscheibenvorfälle
möglich. Das Bewegungssegment wird durch diese
Bandscheibenveränderungen nunmehr
instabil, wodurch die Funktionsbewegungen beeinträchtigt werden. Die
Wirbelkörper können sich dann gegeneinander verschieben, worunter die kleinen
Wirbelgelenke besonders leiden und schließlich mit arthrotischen
(= krankhaften)
Veränderungen reagieren (Spondylarthrosen). Mit zunehmender
Bandscheibendegeneration (=
Bandscheibenabnutzung) nähern sich
die Wirbelkörper einander und reagieren mit Randzackenbildung (Spondylose) und
Sklerosierung (= krankhafte Verhärtung)
der Deckplatten (Osteochondrose).
Allmählich kommt es zu einer Versteifung, die an sich der Entstehung von
Schmerzen in der Kreuzregion entgegen wirkt ("wohltuende
Versteifung im Alter").
Jede Phase dieser fortschreitenden Degeneration kann im
Bewegungssegment Schmerzen verursachen, die auch mit
pseudoradikulärer
oder gar
radikulärer Symptomatik
(= Krankheitszeichen die auf eine scheinbar oder
tatsächlich geschädigte Nervenwurzel zurückzuführen sind)
einhergehen können.
Verschleißprozesse, die über die normale,
altersentsprechende Abnutzung hinausgehen, können auch zu einer
Verengung des
Spinalkanals
führen und auch in Segmenten der Kreuzregion Schmerzen
hervorrufen, bei entsprechendem Ausmaß treten weitere Beschwerden hinzu ((pseudoradikuläre,
radikuläre Ausstrahlungen in die
Beine,
Claudicatio spinalis
(= Funktionsbeeinträchtigung der Beine aufgrund einer
Durchblutungsstörung
im
Rücken
mark)).
Ein
Bandscheibenprolaps
(=
Bandscheibenvorfall)
erfolgt meist dorsolateral
(= seitlich und nach hinten)
und kann schon bei geringem Ausmaß das
Bewegung
ssegment blockieren. In der dorsolateralen (= hinteren und seitlichen)
Region kann aber auch die
Nervenwurzel
direkt tangiert bzw.
eingeklemmt werden und ausstrahlende Krankheitszeichen bewirken.
90% aller
Bandscheibenvorfälle finden in den Etagen L4/L5 und L5/S1 statt (Sehhati-Chafei
1988). Diese bevorzugte Lokalisation führt dazu,
daß häufig die Diagnose "Lumboischialgie" gestellt wird, da die oberen
Anteile des Plexus ischiadicus (=
Nerven
geflecht aus dem der
Ischias
nerv entstammt)
bzw. Plexus sacralis (= Nervengeflecht
im Bereich des Kreuzbeins) den
Nervenwurzeln L4 und L5 entstammen.
Die kleinen
Wirbel
gelenke, die wegen ihrer dachziegelartigen Anordnung auch
Facettengelenke genannt werden, können auch isoliert, also unabhängig vom
Einfluß der
Bandscheibendegeneration arthrotische
Veränderungen erfahren und dann ebenfalls schmerzhafte Blockierungen des
Bewegung
ssegmentes hervorrufen.
Auch im Bereich der Foramina intervertebralia
(= Zwischenwirbellöcher)
können isolierte Störungen auftreten, die die zugehörigen Nervenwurzeln
irritieren oder gar schädigen und dann zu einem
Wirbelsäulenschmerz führen.
Patienten mit
Rücken- bzw. Kreuzschmerzen nach
Bandscheibenoperation
en sind bezüglich einer
Schmerzbehandlung sehr
problematisch. Erfahrungsgemäß nimmt die Problematik mit jeder weiteren
Operation sogar noch zu. Der oben beschriebene typische Ablauf des
Abnutzungsprozesses macht deutlich, daß auch mit einer Operation die eigentliche
Schmerzursache ja nicht behoben werden kann, im Gegenteil, es besteht sogar die
Gefahr, daß der degenerative Prozeß noch beschleunigt wird. Mit jeder Operation
nimmt die Tendenz zur Instabilität zu, abgesehen von den zusätzlichen iatrogenen
(= durch die Operation verursachten)
Gewebsschädigungen.
Nicht selten sehen wir Patienten, bei denen nach mehrfachen
Bandscheibenoperationen wegen Instabilität eine
Spondylodese
(= operative
Wirbelsäulenversteifung)
durchgeführt werden mußte. Leider ist auch nach einer solchen, teilweisen
Wirbelversteifung ein Großteil der Patienten nicht beschwerdefrei. Es ist
daher zu begrüßen, daß die Indikation
(= Anzeige) zur
Bandscheibenoperation
in den letzten Jahren immer mehr eingeschränkt worden ist. Als Grund für eine
Operation ist das Krankheitszeichen "Kreuzschmerz“
in den Hintergrund getreten. Als relative Indikation
(= Anzeige) gelten allenfalls
unerträgliche, therapieresistente (=
nichts hilft) Schmerzen.
Beim
sog. Cauda-Syndrom (=
Rücken
markschädigung mit Lähmung der
Beine), ebenso bei motorischen Defiziten
(= Beeinträchtigungen der Muskel
funktion),
die unter konservativer Therapie (=
Behandlung ohne Operation) bestehen
bleiben oder gar zunehmen, muß operiert werden, um eine Entlastung
herbeizuführen.
Schmerzen können natürlich auch vom
Kreuzbein ausgehen, in
diesem Falle spricht man dann von einer Sakralgie
bzw.
Lumbosakralgie.
Mögliche Ursachen sind:
-
Traumatisch (= verletzungsbedingt), hauptsächlich in Form
von Prellungen, ein Kreuzbeinbruch ist eher selten. Nach einer Prellung sind
länger anhaltende Schmerzen i.d.R. Folge einer unspezifischen
Knochenhautentzündung.
-
Erkrankung der
Iliosakralgelenk
e
(= durch starke Bänder gewährleistete gelenkähnliche Verbindung
zwischen dem
Kreuzbein und den
Becken
knochen).
Meist liegen funktionelle Störungen vor, die betroffenen Patienten klagen
besonders bei Rumpfbeugung, verbunden mit Drehung, über Schmerzen im lumbosakralen Übergangsbereich
(= unterer
Lendenwirbelsäule
n- und oberer Kreuzbeinbereich),
aber auch typischerweise über Schmerzen im Bereich der Spina iliaca posterior
superior (= hinterer oberer
Darmbeinstachel) mit unspezifischen
Ausstrahlungen in die
Beine (Gesäß, hinterer und seitlicher
Oberschenkel bis zur
Wade und evtl.
Ferse). Neurologische Ausfälle (=
Nervenstörungen)
bestehen nicht. Häufiger kommen diese Patienten mit der (falschen) Diagnose „Lumboischialgie“. Bei Tuberkulose ist häufiger auch das
Hüftgelenk mit einbezogen, man
spricht dann von einer
Sakrokoxalgie.
-
Bei einer sog. Sakralisation.
Unter einer oberen Sakralisation versteht man eine komplette
oder inkomplette (= unvollständige)
(asymmetrische)
mit Formangleichung verknüpfte Verschmelzung des
5. Lendenwirbelkörpers mit dem
Kreuzbein. Bei der unteren
Sakralisation kommt es zu eine Verschmelzung mit dem 1.
Steißbein
wirbel,
was zusätzlich zu
Steißbeinschmerzen
führen kann.
-
Infolge Kompression
(=
Einengung) der sog. Nerven clunium
recurrentes in den
Kreuz
beinlöchern (Wurzelkompression).
Medikamentöse
Schmerztherapie
(MST):
-
Akut
(= plötzlich einsetzend, heftig) und
subakut (= eher schleichend verlaufend)
können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende
Analgetika
(=
Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika
(= Rheumamittel)
(möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®). Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®)
oder Etoricoxib (Arcoxia®),
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib
und
Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere
Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
-
Bei stärkeren schmerzhaften
Muskel
verspannungen ist auch die Verordnung von Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur Muskelentspannung)
(z.B. Norflex®, Mydocalm®) sinnvoll.
-
Manchmal sind aber solche Schmerzen nur
mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N®
oder gar Morphin)
(= im Gehirn bzw.
Rücken
mark wirkende
Schmerzmittel) beherrschbar.
-
Grundsätzlich sollte aber auch bei
Kreuzschmerzen (chronische) eine längerfristige
Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar
Schmerzmittelabhängigkeit
vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, u.a. aber auch
bei chronischen Schmerzen wirksam)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen
Schmerzmittel
einzusparen.
Nachstehend beschriebene, invasive
(= in den Körper eindringende) Therapiemethoden der
speziellen
Schmerztherapie setzen
eine sehr gründliche ärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in wenigen
therapeutischen Einrichtungen angeboten werden können. Insbesondere sind die
kontinuierlichen Blockaden mittels eingepflanztem Katheter in Deutschland nur in
ganz wenigen
Schmerzkliniken
durchführbar, so z.B. in Bad Mergen
theim.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(TLA) (=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel):
Bei
einem anhaltenden
Wirbelsäulenschmerz
sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame
Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die
therapeutische
Lokalanästhesie mit einem langwirkenden
örtlichen Betäubungsmittel (z.B.
Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und
Nervenblockade
n.
Infiltrative Lokalanästhesie (=
Infiltration mit einem örtlichen Betäubungsmittel):
-
Die einfachste diesbezügliche
Therapie besteht in der örtlichen Infiltration der meist verspannten, an die
Wirbelsäule
angrenzenden
Muskeln. Je nach segmentaler Ausdehnung reichen ca.
5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus.
-
Eine weitere Möglichkeit ist die
gezielte Infiltration von Triggerpunkten
(= kleine Reizzonen hpts. in der
Muskulatur)
nach vorheriger Identifizierung derselben.
-
Werden die Schmerzen in der Kreuzregion durch abgenutzte, entzündliche oder irritierte
Intervertebralgelenke (= kleine
Gelenke zwischen den Wirbeln)
verursacht, sind Infiltrationen der betroffenen kleinen
Gelenk
e erfolgversprechend. Kortison-Zusatz kann den Heilungsprozeß beschleunigen.
Der
Beweis für ein "Facettensyndrom"
(=
Schmerzstörung im Bereich der kleinen
Wirbelgelenke) als Schmerzursache,
ist letztlich nur durch den Erfolg einer probatorischen
(= zur Sicherung der Diagnose durchgeführten)
Facetten-Betäubung zu erbringen. Langzeiterfolge durch Thermokoagulation
(= Verkochung / Zerstörung mit
Hochfrequenzstrom) der Facetten sind
bei Rücken- bzw. Kreuzschmerzen nicht gesichert.
Periphere temporäre
(= oberflächliche, zeitlich begrenzte)
Nerven- und rückenmarknahe Blockaden:
-
Zur
Unterbrechung segmentaler Reflexkreise, aber auch zur Therapie von
Schmerzausstrahlungen eignen Blockaden
(= Betäubungen)
der korrespondierenden Nervenwurzeln
(= im Schmerzbereich befindliche
Nervenaustrittstellen, im Falle von Kreuzschmerzen neben der Lendenwirbelsäule
und des Os sacrums).
-
Im
Bereich der
Bein
e können bei entsprechender radikulärer oder pseudoradikulärer Schmerzausstrahlung
(= Schmerzen die auf eine tatsächlich oder
scheinbar geschädigte Nervenwurzel zurückzuführen sind)
der vordere
Oberschenkel
nerv (N. femoralis) und / oder der Ischiasnerv
wiederholt blockiert werden, in hartnäckigen Fällen mit Katheter (* siehe
unten).
-
Bei Schmerzausstrahlung in den Bereich des seitlichen und inneren
Oberschenkels gelingt mit der sog. 3-in-1-Variante die zusätzliche Betäubung der
Nerven obturatorius und cutaneus femoris lateralis, deshalb auch geeignet zur
Behandlung der Meralgia
paraesthetica
(=
brennende Schmerzen an der
Oberschenkelaußenseite).
-
Die
lumbale Periduralblockade (=
rückenmarknahe Betäubung im
Lenden
bereich),
insbesondere kontinuierlich mit Katheter*, ist
besonders bei Kreuzschmerzen eine sehr effektive
Therapiemaßnahme, die allerdings nur unter stationären Bedingungen durchgeführt
werden sollte. Bei technischer Beherrschung, adäquater
Lokalanästhetika
-Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das
Risiko bei der Anzeige "Rückenschmerz" als vertretbar eingestuft werden.
-
Wenn
eine Periduralblockade technisch schwer oder nicht durchführbar ist (z.B. bei
Mißbildungen, Zustand nach operativer Wirbelsäulenversteifung usw.), bietet sich
besonders bei Störungen im Bereich des Plexus sacralis
(= Nervengeflecht im Bereich des Kreuzbeins)
die sog. Kaudalanästhesie (= rückenmarknahe
Betäubung durch einen Kanal im Kreuzbein hindurch)
an, die auch mit Katheter* möglich ist, sofern dieser wegen der der
Gefahr einer Entzündung seitlich unter der Haut mittels einer Untertunnelung
weggeführt wird. Erhöht man die Menge des örtlichen Betäubungsmittels (z.B.
20-25ml Bupivacain 0,1 bis 0,15 %) kann auch der obere
Lende
nbereich erreicht
werden.
Statt mit einem örtlichen Betäubungsmittel können die aufgeführten, rückenmarknahen Blockaden auch mit einer verdünnten Morphin-Lösung durchgeführt
werden, allerdings ist dabei die oft zu beobachtende, über die Behandlungszeit
hinaus anhaltende Wirkung deutlich weniger ausgeprägt.
Bei einem sehr schweren und
sonst kaum behandelbaren
Rückenschmerz kann zur Durchführung rückenmarknaher
Blockaden auch eine kleine Schmerzpumpe unter die Haut gepflanzt werden.
Das Arzneimittelreservoir der Pumpe wird dann in bestimmten Zeitabständen durch
die Haut hindurch mit Hilfe einer Spritze wieder aufgefüllt.
*
Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne
Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven
eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle
hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über
diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen
Dosis, das
Lokalanästhetikum
(=
örtliche Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In
bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch
den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das
örtliche
Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft
erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit
begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die
schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus
anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch
die sog. vegetativen
Nerven betroffen sind, woraus
im behandelten Körperbereich eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert
(Sympathikolyse). Dies ist der Grund, warum diese
Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die durch entzündliche oder auch
degenerative (= abnutzungsbedingte)
Prozesse entstanden sind, hilfreich ist.
Gleiches gilt für auch Schmerzen im Rahmen von
Nervenerkrankungen, da
eine verbesserte Durchblutung auch den Nervenzellstoffwechsel optimiert.
Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche intensive Blockadebehandlung
auch das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen.
Physikalische Therapie bei einem Schmerz in der
Kreuzregion:
-
Auch die Elektrostimulation kann eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die
transkutane
Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS)
hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die
Elektroden werden paarig neben der Wirbelsäule im
Schmerz
bereich aufgeklebt.
Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die
Wirkung optimiert werden. Auch eine sog.
Hochtontherapie
kann sehr hilfreich sein.
-
Die elektrische epidurale Rückenmarksstimulation
erfordert eine strenge Patientenauswahl.
-
Eine weitere physikalische
Behandlungsmöglichkeit ist eine oberflächliche Kältetherapie im
Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen
Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist.
-
Manche Patienten mit
Rückenschmerzen empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam.
Warme Bäder können ebenfalls einen
Rückenschmerz lindern.
-
Die Verordnung von Massagen ist auch bei
einem
Schmerz in der
Kreuzregion
regelmäßig
nicht sinnvoll.
Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter
schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen
Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist
aber bei Rücken- bzw. Kreuzschmerzen die heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen
Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es,
die
Muskeln neben der Wirbelsäule zu trainieren, da auf Dauer nur eine
kräftige/suffiziente Muskulatur eine statische und dynamische Schwäche des
Achsenorgans kompensieren kann.
Besonders bei akuten Blockierungen hat die
manuelle Therapie (Chirotherapie) bei der Anzeige „Kreuzschmerzen“
durchaus gute Erfolge aufzuweisen.
Bei schmerzhaften degenerativen
(= durch Abnutzung hervorgerufenen)
Veränderungen der Wirbelsäule wird auch eine Röntgenbestrahlung empfohlen
(Thomalske 1991),
ebenso eine Magnetfeldtherapie
(pulsierende
Signaltherapie).
Andere Therapiemaßnahmen bei
Kreuzschmerzen (chronische):
-
Der Vollständigkeit halber darf die
Akupunktur zur Behandlung von Schmerzen nicht unerwähnt bleiben.
-
Wichtig
sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung von
übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie bzw.
Rückenschule). Darüber hinaus ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten
Übungen zur Lockerung der
Muskulatur erlernen.
-
Die Verordnung von Hilfsmitteln
wie z.B. stabilisierende Korsette sollten dem Orthopäden vorbehalten sein.
-
Hypnoide (=
bewusstseinsverändernde)
Verfahren wie autogenes Training oder
progressive Relaxation nach Jakobson sind eine
sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären
Entspannung führen, ebenso Biofeedback
(= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
-
Psychotherapeutische Interventionen
können bei ausgeprägten "psychosomatischen Kreuzschmerzen" angezeigt sein, da auch
verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Schmerzen verstärken können.


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aktualisiert >13.07.2006</>
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